Markus sass an einem kleinen Tisch im Garten seines Lieblingsrestaurants, der Blick schweifte über den sanft fliessenden Fluss in der Limmatcity.

Vor ihm spielten Kinder, und für einen Moment entführte ihn der Anblick zurück in seine Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof – ein blitzartiger Gedanke, der ihn lächeln liess. In wenigen Minuten würde hier ein neuer Kunde eintreffen: Martin Zgraggen, ein Mann Mitte vierzig, der um einen Termin gebeten hatte. Vor zwei Tagen war eine dringende E-Post bei Markus eingegangen, gefolgt von einem Anruf. Martin stand kurz vor einem Burnout, wusste, dass sich etwas ändern musste, doch der Weg dorthin war ihm unklar.

Markus war Talentcoach in der Konsumwelt – er half Menschen, ihr Leben zum Positiven zu wenden. Gleichzeitig rekrutierte er hier für Talentopia. Er selbst, der Zwillingsbruder von Mark, hatte ein Beratungsunternehmen gegründet, das Menschen dabei unterstützte, ihre verborgenen Talente zu entdecken. Denn Markus war überzeugt: Jeder trägt angeborene Fähigkeiten in sich, doch sie zu finden, war oft eine Herausforderung. Als erfahrener Tanzlehrer und Bewusstseinstrainer besass er ein feines Gespür für Menschen und ihre Begabungen.

Wie Mark und Sue gehörte auch Markus zu den Talentianern – einer Gemeinschaft, die aus einer Vision entstand: die menschliche Entwicklung durch Talentförderung auf ein neues Level zu heben. Anfangs stiess diese Bewegung auf Widerstand des etablierten Systems, doch mit der Zeit setzten sich die Talentianer durch ihre positiven Taten immer mehr durch. Heute sind sie in der Konsumwelt allgegenwärtig, auch wenn sie in manchen Ländern noch bekämpft werden.

Dann ein kurzes Vibrieren am Handgelenk – sein GK der Gesundheitskommunikator meldete, dass der Termin in zwei Minuten begann. Fast zeitgleich näherte sich ein Mann.

«Guten Tag, Herr Fischer, ich bin Martin Zgraggen.»

Markus erhob sich und bot Martin die Faust zum Gruss an – eine Geste, die sich seit den grossen Plandemien in den 20er Jahre anstelle des Händedrucks teilweise eingebürgert hatte.

«Guten Tag, Herr Zgraggen, es freut mich sehr, Sie persönlich kennenzulernen», sagte Markus und deutete auf den freien Stuhl.

«Vielen Dank, dass Sie mir so kurzfristig einen Termin ermöglicht haben. Es freut mich ebenfalls, Sie kennenzulernen. Ein Freund, Sebastian Kuhn, hat mich auf Sie aufmerksam gemacht. Er war auch bei Ihnen.»

Markus nickte. «Ja, an Sebastian erinnere ich mich gut. Wir stehen noch immer in Kontakt. Geht es Ihnen ähnlich wie damals Sebastian?»

«Man könnte es auch Lebensunzufriedenheit nennen», antwortete Martin. Die Bedienung unterbrach kurz, und beide bestellten einen Espresso. Dann fuhr Martin fort: «Eigentlich habe ich alles: eine wunderbare Frau, gesunde Kinder und genug Geld, um gut zu leben. Doch trotzdem fehlt mir etwas. Meine Arbeit bereitet mir schon lange keine Freude mehr. Manchmal frage ich mich, ob sie mir jemals wirklich Spass gemacht hat. Natürlich könnte ich einfach den Arbeitgeber wechseln und hoffen, dass es dort besser wird. Aber ich glaube, das Problem liegt tiefer. Ich weiss nicht, ob ich meinen Beruf überhaupt noch ausüben möchte. Plötzlich sehe ich keinen Sinn mehr darin. Nur um das tägliche Leben zu finanzieren, möchte ich nicht acht bis zehn Stunden am Tag einer Tätigkeit nachgehen, die sich für mich sinnlos anfühlt. Meine Lebenszeit ist mir zu kostbar.»

Markus nickte verständnisvoll. «Das ist eine wertvolle Erkenntnis. Viele Menschen kommen nie so weit wie Sie jetzt.»

Martin fuhr fort: «Leider weiss ich nicht, wie ich sonst meinen Lebensunterhalt bestreiten könnte. Auf Anraten meiner Frau war ich bereits bei einem Jobcoach. Er fragte mich nach meinen Wünschen für einen neuen Beruf, doch ich konnte ihm keine Antwort geben. Diese Beratung brachte also nichts. Dann sprach ich zufällig mit Sebastian darüber. Er meinte, da helfe nur noch ein Talentcoach – und hat mir Sie empfohlen.»

Markus hörte aufmerksam zu und sagte dann: «Martin, ich darf Sie doch so nennen?» Martin nickte zustimmend. «Sebastian hat recht. Die meisten meiner Klienten stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie Sie. Ich erkläre Ihnen kurz, wie wir gemeinsam eine Lösung finden können. Zuerst schauen wir uns Ihren echten Lebenslauf an.»

Martin runzelte die Stirn: «Meinen echten Lebenslauf?»

Markus lächelte: «Ja, Ihren ungeschönten Lebenslauf – nicht den, den die meisten Menschen in ihren Social-Media-Profilen präsentieren.»

«Ach so», grinste Martin.

«Anhand dessen suchen wir in Ihrer Kindheit, Jugend und im Berufsleben nach Talenten und Tätigkeiten, die Ihnen Freude bereitet haben. Wir durchforsten längst vergessene Spuren aus Spiel, Sport und Freizeit. Diese Hinweise analysieren wir gemeinsam. Danach listen wir Ihre Tätigkeiten und Erfahrungen auf – auch die aus der Jugendzeit. Schliesslich suchen wir nach Ihren Träumen und den Träumen, die Sie aufgegeben haben. Diese drei Bereiche stellen wir einander gegenüber und finden Schnittmengen, aus denen wir Ihre neue Tätigkeit entwickeln. Zum Glück leben wir heute in einer Zeit, in der fast jede Tätigkeit möglich ist und ihre Kunden findet.»

Martin staunte: «Das klingt so einfach.»

Markus lächelte: «Ganz so leicht wird es erfahrungsgemäss nicht sein. Sonst wären Sie längst selbst darauf gekommen.»

Martin antwortete: «Da haben Sie sicher recht. Deshalb möchte ich mich von Ihnen coachen lassen.»

Markus erwiderte: «Das werden Sie sicher nicht bereuen. Alle meine Klienten waren nach dem Coaching um ein Vielfaches glücklicher in ihrem Job und Leben – weil sie endlich etwas tun konnten, das ihrem Inneren Wunsch und ihren angeborenen Talenten entspricht. Ich schlage vor: Sie rufen mich am Montag an. Schauen Sie sich am Wochenende mit Ihrer Frau meine Angebote auf der Homepage an. Sollte mein Honorar zu hoch sein, kann ich Ihnen auch einen von mir ausgebildeten Junior-Coach vermitteln.»

Martin nickte: «In Ordnung, das mache ich gerne.» Er trank seinen Espresso aus, stand auf und sagte: «Dann wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende.»