Am nächsten Morgen wollte Sue noch tiefer in das Thema Widerstand eintauchen. Mark hielt heute einen Vortrag über dessen Ursprung und Entwicklung. Gemeinsam fuhren sie zu einer Talentschule im Dreiländereck. Während der Fahrt erzählte er:

«Ursprünglich waren es die Gegner der Injektionen während der ersten grossen Plandemie ab 2020. Die neue Injektionstechnik weckte in Teilen der Bevölkerung Misstrauen. Früher dauerte die Entwicklung einer Impfung Jahre, doch mit der neuen Methode entstand der Impfstoff innerhalb weniger Monate – zu schnell für die Skeptiker. Es schien ihnen wie ein gross angelegtes Experiment, was es letztlich auch war. Aus der sogenannten Freiheits-Presse hörte man, dass die Tierversuche abgebrochen wurden, weil zu viele Nebenwirkungen auftraten. Nun konnte das grosse Experiment an Milliarden williger Menschen fortgesetzt werden. Übrigens lehnten alle Impfstoffhersteller jegliche Verantwortung über Nebenwirkungen und Spätfolgen ab. Die Politik brachte sich selbst in eine Zwickmühle und entschied, diese Verantwortung vorerst zu übernehmen. Doch jeder wache Mensch weiss, dass die Politik eine solche Last nicht tragen kann. Den Skeptikern war klar: Diese Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen. Denn bei Spätfolgen wird die Politik sagen: «Oh, entschuldigen Sie, Sie haben sich ja freiwillig den Stoff injizieren lassen. Zu jener Zeit wussten wir noch nichts von den Spätfolgen und sahen keinen anderen Ausweg.» Genau das geschah später beinahe heimlich in der EU. 2024 wurde im EU-Parlament per Gesetz beschlossen, die Verantwortung für Spätfolgen der Curia-Injektionen abzulehnen. Wird ein Gesetz nicht über die Medien verbreitet, kann es von der Bevölkerung auch nicht wahrgenommen werden.

Mark verliess die Autobahn und fuhr in ein kleines elsässisches Dorf nahe der deutschen Grenze. Ohne Navi – das hatte er von einem Autohacker so umbauen lassen, dass er es bei Bedarf komplett ausschalten konnte. Auch sämtliche Ortungschips waren aus dem Auto entfernt. Ihre GK’s blieben zu Hause. Sie waren quasi inkognito unterwegs und nutzten einen kaum überwachten, kleinen Grenzübergang. Es war ein sonniger, aber kühler Oktobertag. Von der Landstrasse bogen sie ab auf ein herrschaftliches Anwesen, ein kleines Château. Fasziniert von der Landschaft stellte Sue keine weiteren Fragen mehr. Mark parkte vor dem Haus, und sie stiegen aus. Hand in Hand schlenderten sie über den breiten Kiesweg auf den Haupteingang zu. Sue spürte sofort die ungewöhnlich positive Atmosphäre dieses Ortes – hier fühlte sie sich noch freier als zu Hause. Mark schien ihre Gedanken zu erahnen, blieb stehen und sagte:

«Diese unglaublich positive Schwingung verdanken wir den Vorbesitzern. Es waren hochspirituelle Menschen, die es auch verstanden, die ganze Natur mit einzubeziehen.»

Sue nickte lächelnd und schenkte Mark einen warmen, verliebten Blick, den er sichtlich genoss. Gemeinsam gingen sie weiter zur prachtvoll verzierten Eichenholztür des Châteaus, betätigten den mittigen Klopfer und traten ein. Sofort kam ihnen Natanael, der Schulleiter – ein hagerer, sympathischer junger Mann, der an Harry Potter erinnerte – entgegen und begrüsste sie herzlich. Nach einer kurzen Führung und einem Briefing zum Ablauf des Nachmittags gönnten sie sich eine Kaffeepause im Salon. Anschliessend führte Natanael sie durch einen langen Gang in den alten Rittersaal, der zu einem Plenarsaal umgestaltet worden war. Mark wollte den Schülern von den unglaublichen Ereignissen erzählen, die sich in den 20er Jahren abspielten – ein Jahrzehnt, in dem die Welt nur knapp einer Diktatur entging. Damals lag die Menschheit im Würgegriff der ersten grossen Plandemie. Zwar wurden in dieser Zeit einige digitale und medizinische Fortschritte erzielt, doch ihre Folgen waren damals noch kaum abzusehen. Mark liebte es, solche bedeutenden historischen Themen möglichst authentisch und ohne Ablenkung durch Tabellen, Bilder oder Filme vorzutragen. Sue setzte sich neben Natanael an den Rand des Saals und wartete gespannt. Der Rittersaal war rappelvoll, obwohl der Vortrag für die Schüler freiwillig war. Mark schritt ruhig zum Rednerpult. Die dicken Teppiche am Boden und die prächtigen Wandteppiche, geschmückt mit den Familienwappen früherer Besitzer, sorgten für eine hervorragende Akustik. Die Schüler verstummten, als Mark sich vor das Pult stellte. Diese Geste war ungewöhnlich – normalerweise versteckten sich die Lehrer sofort hinter dem Rednerpult. Doch Mark stand mit einer beeindruckenden Präsenz davor. Für die Schüler war er ein älterer, faszinierender Mann, für die Lehrerschaft, die ihn für diesen Vortrag eingeladen hatte, eine beeindruckende Persönlichkeit mittleren Alters. Alle blickten gespannt zu ihm auf. Ruhig sah er in den überfüllten Saal und suchte den Blickkontakt mit den jungen Zuhörern. Die Spannung wuchs, denn er nahm sich ungewöhnlich viel Zeit, um in die Augen der Anwesenden zu sehen. Einige hielten seinem Blick stand, andere nicht. Dann begann er:

«Ihr wisst, dass die Welt, so wie wir sie heute kennen, in den 20er-Jahren nur knapp an einer Weltdiktatur vorbeigeschrammt ist!»

Er machte eine kurze Pause. Kein Laut, nicht mal ein Atemzug war zu hören. Die Jugendlichen kannten diese Fakten aus dem Lernweb. Nun stand ein Mann vor ihnen, der im Widerstand war und indirekt half, die Diktatur zu verhindern. Mark fuhr fort:

«Im Jahr 2019 lud die INIO zu einem Treffen «Event 201» ein, bei dem die Möglichkeit einer weltweiten Pandemie besprochen wurde. Die INIO – die internationale Impforganisation – ist eine Stiftung, getragen von einigen mächtigen, schwerreichen Wirtschaftsbossen, deren ursprüngliches Ziel es war, die Impfforschung weltweit voranzutreiben. Interessanterweise nahmen an diesem Treffen Vertreter des WGV, des WWV, der Pharmabranche und ein Virologe teil – aber keine praktizierenden Ärzte. Während des Meetings wurde anhand einer Modellpandemie namens Curia verschiedene Szenarien durchgespielt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Ereignis bald eintreten könnte, wurde berechnet. Das Ergebnis veranlasste den WGV, die Pandemie-Parameter nach unten zu korrigieren – mit weitreichenden Folgen. Denn die Länder, die dem WGV angehörten, mussten sich an einen Plan halten, den sie mit ihrer Mitgliedschaft akzeptiert hatten. Sie passten ihre Epidemiegesetze an, oft unbemerkt von der Öffentlichkeit. Diese Gesetze gaben den Regierungen im Falle einer Pandemie weitreichende Machtbefugnisse, die Bürgerrechte konnten stark eingeschränkt werden.»

«Ende 2019 geschah dann genau das, was die INIO vorausgesagt hatte: Ein Virus brach aus, zufällig trug es denselben Namen wie die Modellpandemie auf dem INIO-Meeting. Angeblich entstand es auf einem Tiermarkt in China. Doch in derselben Stadt befand sich auch ein virologisches Labor. Später stellte sich heraus, dass der Virus aus diesem Labor stammte. Noch später wurde gemunkelt, dass es sich um einen manipulierten Virus handelte. Ob der Virus versehentlich oder absichtlich freigesetzt wurde, blieb im Dunkeln – die Regierung filterte wie gewohnt alle Informationen sorgfältig.